Was Instrumentenpflege kostet und woran der Preis hängt
Jonas Weidmann
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Saiten, Stimmung, Lagerung: Jonas Weidmann rechnet nach, was Pflege für Gitarre und Klavier im Jahr kostet und welche Faktoren die Summe wirklich bestimmen.
Die Rechnung beginnt bei den Saiten
Wer eine Gitarre spielt, zahlt am häufigsten für Saiten. Ein Satz für die Westerngitarre liegt je nach Material und Beschichtung meist zwischen sieben und fünfzehn Euro, für die klassische Gitarre mit Nylonsaiten ähnlich. Beschichtete Sätze kosten mehr, halten aber spürbar länger, weil Schweiß und Hautfett die Wicklung nicht so schnell angreifen. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt davon ab, wie oft Sie spielen und wie Ihre Hände sind.
Ich wechsle bei regelmäßigem Üben etwa alle zwei bis drei Monate, bei seltenem Spielen genügt zweimal im Jahr. Rechnet man das hoch, landet man bei dreißig bis fünfzig Euro jährlich für Saiten. Das ist überschaubar, und es ist der Posten, den Sie am stärksten selbst steuern: durch Material, durch Wechselrhythmus und dadurch, dass Sie die Saiten nach dem Spielen kurz abwischen.
- Westerngitarre: Satz meist sieben bis fünfzehn Euro
- Beschichtete Saiten kosten mehr, halten aber länger
- Wischen nach dem Spielen verlängert die Lebensdauer
Werkzeug einmal kaufen, lange nutzen
Für den Saitenwechsel brauchen Sie wenig: einen Saitenkurbler, einen kleinen Seitenschneider und ein Stimmgerät. Zusammen sind das rund fünfzehn bis dreißig Euro, einmalig. Ein Clip-Stimmgerät reicht für den Anfang völlig aus. Ich sehe immer wieder, dass Einsteiger an dieser Stelle zu viel ausgeben, weil ein Set mit zwanzig Teilen verlockend aussieht, obwohl man davon nur drei benutzt.
Ein Tuch aus weichem Stoff und ein mildes Pflegemittel für das Griffbrett kommen dazu, wenn Sie das Instrument ernsthaft pflegen wollen. Griffbrettöl gibt es für acht bis zwölf Euro, eine Flasche hält Jahre. Sparen Sie hier nicht an der falschen Stelle, aber kaufen Sie auch nichts auf Vorrat, was Ihr Instrument nie braucht. Lackpolituren etwa sind bei vielen Gitarren schlicht überflüssig.
Beim Klavier kommt das Stimmen hinzu
Ein Klavier ist der teurere Pflegefall, und der größte Posten ist der Klavierstimmer. Eine Stimmung kostet in Deutschland je nach Region und Aufwand meist achtzig bis hundertfünfzig Euro. Empfohlen wird ein- bis zweimal im Jahr, bei einem neu aufgestellten oder lange ungestimmten Instrument zunächst etwas häufiger. Der Preis hängt davon ab, wie weit die Stimmung abgesunken ist, denn dann ist mehr als eine Feinkorrektur nötig.
Anfahrtswege schlagen ebenfalls zu Buche. Ein Stimmer, der aus einer anderen Stadt kommt, rechnet das ein. Fragen Sie vorab nach dem Preis und ob eine Anfahrtspauschale anfällt. Ein Klavier, das Jahre nicht gestimmt wurde, braucht manchmal zwei Durchgänge, bis es die Stimmung hält. Das ist normal und kein Zeichen, dass jemand schlecht arbeitet.
- Stimmung meist achtzig bis hundertfünfzig Euro
- Anfahrt und Zustand beeinflussen den Preis
- Nach langer Pause oft zwei Durchgänge nötig
Lagerung: der unterschätzte Kostentreiber
Die teuersten Schäden entstehen nicht durch Verschleiß, sondern durch falsche Lagerung. Im Herbst beginnt die Heizperiode, und die Luft in Wohnungen wird trocken. Eine Gitarre aus massivem Holz kann dann Risse in der Decke bekommen oder die Bünde stehen über. Eine Reparatur kostet schnell hundert Euro und mehr, ein Riss in der Decke ein Mehrfaches davon.
Dagegen hilft ein Luftbefeuchter für den Gitarrenkoffer, den es für etwa zehn bis zwanzig Euro gibt, oder schlicht ein Raum mit stabiler Luftfeuchte um fünfzig Prozent. Beim Klavier gilt Ähnliches: Nicht direkt neben die Heizung stellen, nicht ans Fenster mit Zugluft. Diese kleinen Maßnahmen kosten fast nichts und sparen im Zweifel die größte Rechnung des ganzen Jahres.
Selbst machen oder machen lassen
Saitenwechsel und Reinigung gelingen den meisten Erwachsenen nach ein, zwei Versuchen. Beim ersten Mal lohnt es sich, einmal zuzusehen oder sich zeigen zu lassen. Wer es in der Werkstatt machen lässt, zahlt für den Wechsel plus Saiten meist fünfzehn bis dreißig Euro. Das ist fair, wenn man unsicher ist, wird aber bei regelmäßigem Wechsel schnell teurer als das eigene Lernen.
Anders ist es bei Einstellarbeiten wie Halskrümmung, Saitenlage oder Bundabrichtung. Hier ist eine Werkstatt sinnvoll, die Preise liegen je nach Aufwand zwischen vierzig und hundertzwanzig Euro. Ich rate, diese Arbeiten nicht zu improvisieren, weil ein Fehler am Hals teurer wird als die Fachkraft. Beim Klavier gilt das Stimmen und jede Arbeit an der Mechanik ohnehin als Sache für den Fachmann.
- Saitenwechsel: selbst lernbar, Werkstatt etwa fünfzehn bis dreißig Euro
- Einstellarbeiten besser in Fachhand
- Mechanik am Klavier nicht selbst anfassen
Eine realistische Jahresrechnung
Für eine Gitarre kommen im Jahr etwa vierzig bis siebzig Euro zusammen, wenn Sie Saiten selbst wechseln, ein wenig Pflegemittel nutzen und gelegentlich Luftfeuchte beachten. Planen Sie zusätzlich alle paar Jahre eine Einstellung in der Werkstatt ein, dann sind es im Schnitt etwas mehr. Das ist wenig im Vergleich zu dem, was das Instrument beim Kauf gekostet hat.
Beim Klavier liegen die laufenden Kosten höher, vor allem durch die Stimmung, und sind mit hundert bis dreihundert Euro im Jahr realistisch. Wichtig ist, dass die Summe planbar bleibt. Wer Pflege regelmäßig und in kleinen Schritten erledigt, vermeidet die großen, unerwarteten Rechnungen. Das gilt für beide Instrumente und ist der eigentliche Preisfaktor: nicht das Material, sondern das Wann.
Instrumentenpflege ist kein großer Kostenblock, wenn man sie nicht aufschiebt. Saiten, etwas Werkzeug und ein bewusster Umgang mit der Luftfeuchte decken bei der Gitarre fast alles ab, beim Klavier kommt die jährliche Stimmung dazu. Teuer wird es meist durch Vernachlässigung, nicht durch Pflege. Fangen Sie klein an, notieren Sie, was Sie ausgeben, und Sie sehen nach einem Jahr, was Ihr Instrument wirklich braucht.